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Reportage / Nach dem Autorenabend
Als die Dunkelheit über Margaretelund fiel
Karolina Kallentoft, die Ormaryd-Morde und ein Juniabend zwischen Käse, Regen und Waldwesen.
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Es war noch hell über Margaretelund, als Karolina Kallentoft das Buch aufschlug. Auf dem Tisch standen Platten mit Käse, lokaler Salami, Würsten, Marmelade, Erdbeeren und knusprigem Brot. Hinter dem Hof stand der Wald dicht und grün – so gegenwärtig, wie er sein muss, wenn es um die Ormaryd-Morde geht.
Der Abend begann draußen. Stühle wurden herangezogen, Kaffee wurde eingeschenkt, und eine kleine, aber aufmerksame Runde versammelte sich um den Tisch. Gerade das passte: keine große Bühne, kein anonymer Saal, sondern ein Hof, ein Buch, einige Menschen und der wirkliche Ort, um den sich die Romane bewegen.
Dann kam der Regen. Als hätte das Wetter das Manuskript gelesen, zogen die Wolken über den Wald, und die Runde wechselte in den Laden. Dort, zwischen Regalen, Bücherstapeln und Kühlschränken, ging der Abend weiter. Karolina las Stellen aus Skogen de döda vilar i, vor allem solche, in denen Ormaryd und seine Umgebung hervortreten. Plötzlich lag das Dorf nicht nur vor dem Fenster. Es lag auch im Text.
Sie erzählte vom Schreiben, von der Arbeit an den Büchern und davon, wie sich wirkliche Orte verändern, wenn sie durch einen Roman gehen. Das Gespräch bewegte sich zwischen Mordgeschichte und Volksglauben, zwischen Alltagsgeografie und jener Dunkelheit, die man nicht mehr ganz abschütteln kann, wenn man sie erst einmal gesehen hat.
Ein Detail blieb besonders hängen. Karolina erzählte, fast wie eine freundliche Warnung, dass unser geliebter Badeplatz nicht in Ruhe gelassen wird. In den kommenden Geschichten wartet dort ein Mord. Für alle, die dort an einem stillen Sommerabend gebadet haben, ist das furchtbar – und auf merkwürdige Weise unwiderstehlich.
Romy von Eldsjäl Mathantverk & Möten machte den Abend essbar: mit einer Platte, auf der Käse von Margaretelund auf lokale Wurstwaren und Marmeladen traf. Genau das richtige Essen für einen solchen Abend: keine Pause von der Geschichte, sondern ein Teil des Ortes.
Als Bücher verkauft, signiert und das Gespräch langsam verklungen war, ging der Abend auf seine eigene Weise weiter. Karolina bekam eine Ormaryd-Rundfahrt zu Orten, die sie beschrieben hat, und zu Orten, die sie vielleicht noch nicht fertiggeschrieben hat. Wege, Wasser, Waldränder und der Badeplatz. Die wirkliche Karte und die literarische begannen sich wieder zu überlagern.
Vielleicht fühlt sich Margaretelund genau dort am meisten zu Hause: im Zwischenraum zwischen dem, was man berühren kann, und dem, was man nur ahnt. Ein Käse auf einer Platte. Ein Buch auf einem Tisch. Ein Wald, der draußen schweigend steht und doch nie ganz schweigt.
„Plötzlich lag Ormaryd zugleich vor dem Fenster und im Buch.“


