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Reportage / Geschmackslandschaft
Nordsmåländisches Terroir
In der Toskana spricht man vom Boden des Weins. In der Provence von Lavendel und Olivenhainen. Im Norden Smålands ist das Terroir leiser: Wald, Stein, Apfel, Milch, Wild, Honig und kalte Erde.
Es beginnt mit einer Überraschung. Man biegt zwischen Eksjö und Nässjö ab, folgt der Straße nach Ormaryd und erwartet vielleicht einen Hofladen mit ein paar Käsen, etwas Honig und einem Regal Marmelade. Stattdessen öffnet sich ein Laden, der wirkt wie ein Geschmacksarchiv des nördlichen Småland.
Die Regale sind hier nicht nur Regale. Sie sind eine Karte. Wild aus den Wäldern. Apfelmost von den Hängen am Vättern. Milch vom Hochland. Kartoffeln aus Hult. Schwein von Visingsö. Marmeladen, Konfitüren, Gewürze und Saucen von Menschen, die das veredeln, was in Wald und Garten wächst.
Alexander und Emelie sprechen gern vom Terroir dieses Ortes, auch wenn das Wort häufiger in der Toskana oder der Provence fällt als in Småland. Aber gerade hier wird es verständlich. Innerhalb von etwa vierzig Kilometern liegen die Anbauzonen eins bis fünf: vom milderen Klima und den fruchtbaren Feldern am Vättern bis zum kälteren, steinigeren Hochland, wo Fleisch und Milchprodukte eine andere Selbstverständlichkeit bekommen.
Es ist fast, als reise man von Skåne nach Süd-Lappland, ohne die Gegend zu verlassen. Die steinigen Äcker, über Generationen von Bauern und Knechten geräumt, haben nicht nur die Landschaft geprägt. Sie haben auch den Geschmack geprägt. Das Karge, das Grüne, das Süße, das Säuerliche, das Tierische und das langsam Veredelte dürfen nebeneinander bestehen.
Unter den Produzenten ist Anja Dalhög von Prästgårdens mejeri in Lommaryd, die Milch und Joghurt pasteurisiert und verkauft. Hans und Eva von Ryssbyglass machen Eis aus eigener Milch, ganz ohne seltsame Zusätze, unter dem Motto „bara goa grejjer“ – nur gute Sachen. Johan Bergström von Bergströms lilla musteri in Bankeryd ist ein echter Apfelnarr und verwandelt Obst in Most und handwerklichen Cider.
Linnéa und August betreiben Björnstorps potatis in Hult. Knäppets naturprodukter, ebenfalls in Hult, liefert Rindfleisch von frei grasenden Naturpflege-Rindern. Sara Lantz von Visingsögrisen zieht Schweine auf der kleinen Insel mitten im Vättern auf, und Byarums skafferi veredelt Aromen aus Wald und Garten zu Marmeladen, Konfitüren, Gewürzen und Saucen.
Die Auswahl ist kein Zufall. Sie ist kuratiert. Margaretelund konzentriert sich zuerst auf lokale Lebensmittel, und wenn etwas lokal nicht zu finden ist, sucht man lieber schwedisch als routinemäßig importiert. Mogelware, schlechte Qualität, Energydrinks, Fertiggerichte und Halbfabrikate haben hier kaum Platz. Die Idee ist einfach: Kundinnen und Kunden sollen sich entspannen, langsam durch den Laden gehen und wissen, dass jemand bereits aussortiert hat, was hier nicht hingehört.
Das macht den Laden aber nicht vorhersehbar. Im Gegenteil. Eine der unwahrscheinlichsten Ecken enthält über siebzig Sorten Tonic. Es begann damit, dass True Selection in Nässjö fragte, ob Margaretelund ein kleines Showroom-Regal sein wollte. Wie so oft hier geriet die Idee ein wenig außer Kontrolle. Das Ergebnis ist ein bitteres, prickelndes Regal für alle, die finden, dass selbst ein Drink Terroir haben kann.
Wenn man den Laden verlässt, trägt man nicht nur Waren mit sich. Man trägt ein Stück Landschaft: Apfel, Milch, Wald, Stein, Feuer, Beeren, Süße, Salz und etwas schwer Fassbares, das es vielleicht nur hier gibt, zwischen den Hängen des Vättern und dem nordsmåländischen Hochland.
“Hier werden die Regale zu einer Karte aus Wald, See, Erde und Menschen.”
Margaretelund / Ormaryd
Småland mit nach Hause nehmen.
Eine Tasche aus Margaretelund kann eine ganze Geografie enthalten: Most vom Vättern, Milch vom Hochland, Wild aus dem Wald, etwas Süßes aus dem Garten und ein Tonic, das man noch nie probiert hat.